Montag, 29. September 2014

Science World (Vancouver)


Eine laaaaange Schlange wartender Eltern und Kinder erwartete uns - das sind ein paar Freunde aus der Schule und ich - als wir uns am Sonntagnachmittag trafen, um Science Word zu besuchen. Science World ist eine Art erlebnispädagogisches Museum mit wechselnden Ausstellungen. Jede Menge Möglichkeiten also, um Wissen und Können zu testen und zu erweitern. Dass wir nicht die Einzigen waren, die die Gelegenheit eines freien Eintritts genießen wollten, um Kind sein oder sich als Kind fühlen zu können, wussten wir, also hieß es erst einmal warten. Dank sehr guter Organisation ging es dann doch flotter als gedacht (45 Min.). Gelernt haben wir auch: Ein Känguru kann bis u 13,58 m weit springen, wow.
Drinnen angekommen empfingen uns drei Etagen voller - zum Teil durch aufwendige Technik unterstützte – Experimente, Spiele und Exponate in den Bereichen Energie, Sport, Biologie und weiteres. Wir hatten viel Spaß diverse Dinge auszuprobieren. Nach 2,5 Stunden ging uns dann die Puste aus und wir ersparten uns den Rest. Die Menschenmassen sind auf Dauer doch anstrengend, meine Beine nach 7 Stunden wandern am Tag zuvor sehnten sich nach Ruhe und mein noch immer schön angeschwollener Fuß wurde auch nicht gerade angenehmer. Ich machte mich dann im besten Sonnenwetter auf den Heimweg, währenddessen ein Teil der anderen noch weitere Pläne hatte. Mein Abendessen wartete schon. Es gab Wan-Tan-Suppe und danach Schweinegeschnetzeltes, gebratenes Gemüse in Soyasoße und Basmatireis. So lecker!







Sonntag, 28. September 2014

Whistler


Ich musste und wollte sehr früh aufstehen (4:40 Uhr), um 6: 30 Uhr den Startpunkt meines Bus-Shuttles nach Whistler, dem Austragungsort der alpinen Skiwettbewerbe während der Olympischen und Paraolympischen Spiele 2010, zu erreichen. Der Bus war erwartungsgemäß nahezu leer. Die Fahrt entlang der Küste mit Blick auf Vancouver Island und den vorgelagerten Inselchen, die zum Teil in den Wolken hingen, dauerte exakt 2 Stunden. Im Tourismusbüro präzisierte ich meinen Tagesplan und machte mich auf den Weg durch das noch schlafende Whistler Village zum Lost Lake. Dieser See ist umgeben von zahlreichen Trails verschiedenster Kategorien – ein Eldorado für Läufer, wie ich finde. Die Luft war noch kühl und feucht und ließ das Grün der Wälder wundervoll frisch und saftig wirken. Auch einige Radfahrer waren unterwegs. Beeindruckt hat mich ein Duo, vermutlich Vater und Sohn, wobei Ersterer die 80 Jahre locker überschritten hatte, aber auf einem flotten Fully saß und  nur durch sein in klassischer Alte-Menschen-Farbe (beige) gehaltenen Dress und das verhaltene Anschieben am Anstieg optisch zu erkennen war…

Auf dem Weg zur ziemlich preisintensiven Seilbahn hinauf zum Whistler Mountain lief ich an einem Bikepark vorbei. Wahnsinn, wie hier Knirpse angstfrei und zum Teil bestens ausgerüstet den Parkour befahren. Am Ziel angekommen war ich begeistert von den Massen an Downhill-Fahrern, die im Sommer die Skipiste nutzen. Ich stellte mich an die laaange Schlange an, um ganz vorn gefragt zu werden, was ich denn hier mache? Logisch, ich will hinauf. Dieser Lift ist nur für Biker. Okay, hatte mich schon gewundert, dass hier weit und breit kein Mensch per Pedes wartete. Also den Lift 100 m weiter nutzen. Dieser führte mich auf den Whistler Mountain (knapp 1950/2000 m). Im Vorfeld hatte ich mir eine mögliche Tour ausgedacht, unklar, ob diese machbar zu sein wird. Es ging zunächst auf breitem Schotterweg relativ steil hinauf bis zu einem Punkt, an dem die asiatischen Touristen umkehrten. Ich folgte dem Weg weiter hinauf auf ca. 1250 m, um von da aus hinabzusteigen und den Kamm zu überschreiten. Der sich eröffnende Trail war somit das schönste, was ich in der Natur bislang erfahren durfte. Allein inmitten einer atemberaubenden Natur, Sonnenschein, abwechslungsreiche Trails, tolle Ausblicke, endlos erscheinende Nadelwälder und schneebedeckte Berggipfel im Horizont. Und plötzlich: die Angst einem Bären zu begegnen. Ich wusste, es gibt (nur) noch um die 50 Stück hier, aber in all den schönen Gedanken schweifend, keine Menschen sehend, kam doch dieser Blitzgedanke von Angst. Ich traf auf keinen Bären, sondern auf ein Pärchen in Sichtweite... Einige (harmlose) Tierchen zeigten sich dann während des Auf und Ab doch: Murmeltiere, murmeltierähnliche, aber schwanzlose Tiere und Streifenhörnchen. Als hätte nicht alles perfekt sein können, rutschte ich dann, nachdem ich einem pausierenden Pärchen „Hi“ zurief aus und knickte um. Ich setzte mich zu Ihnen und nachdem wir feststellten, dass wir Deutsche waren, erzählte mir die Frau, dass sie an derselben Stelle gestürzt sei. Super. Wenigen Minuten später stapfte ich weiter, verhalten, vorsichtig. Zwei wunderbar klare Teiche kreuzten meinen Weg und als ich nach 30-45 Minuten die Gondel erreichte, konnte ich aufgrund des angeschwollenen Knöchelns kam mehr gehen. Shit happens! Zurück in Whistler Village – das Dorf hatte sich mittlerweile mit Menschenschaaren gefüllt – hatte ich keine Zeit und (schmerzbedingt) auch keinen Elan mehr, das Village genauer in Augenschein zu nehmen. Ich humpelte zum Bus, dessen Fahrer mich dann glücklicherweise nur 200 m vom Haus entfernt aussteigen ließ. John wartete mit einer ordentlichen Portion Pesto-Penne, Hähnchenbrustfilet und gebratenem Gemüse auf. Danke. Den restlichen Abend verbrachte ich mit hochgelegtem Bein, Eispacks beladen, mit dem Ansehen meiner vom Tag geschossenen Fotos.

Ich kann Whistler uneingeschränkt all jenen empfehlen, die Spaß am Wandern und Biken haben. Whistler selbst ist sich dieser Faszination offenbar bewusst, denn ansonsten würde das ohnehin nicht gerade günstige Starbucks hier nicht 13 % Aufschlag für einen Frappuccino verlangen…

Mittwoch, 17. September 2014

My homestay...

Leanne, John, Matthew und Rexx. Das ist meine junge Gastfamilie für die nächsten Wochen in North Vancouver. Leanne und John sind keine zehn Jahre älter als ich. Beide sind Kanadier, John ist in Vancouver aufgewachsen, Leanne auf Vancouver Island. Matthew ist kürzlich 8 Monate geworden. Er bestimmt aktuell den Alltag von Leanne, John ist auch Zuhause, weil er sich bei einem Radunfall schwere Verletzungen zugezogen hat. Ansonsten arbeitet er als Feuerwehrmann und ist stolz darauf, de facto nur 140 Tage im Jahr zu arbeiten und dabei bei vorzeitigem Ruhestand eine attraktive Rente zu erhalten. Er liebt wie Leanne Radfahren (MTB, Rennrad), ist vielseitig interessiert, kocht super und ist immer für einen Spaß zu haben. Leanne ist ebenso super nett, manchmal vielleicht etwas bedachter als John und aufgrund ihrer Sprechgeschwindigkeit ein harter Brocken für jene wie mich, die keine Muttersprachler sind. Nicht immer verstehe ich sie, aber: Es wird besser und das merke ich schon nach einer Woche deutlich. Mit ihr habe ich schon einige kleiner und größere Unternehmungen gemacht. Wir hatten immer viel Spaß, sei es in einem Bigsize-Supermarkt, beim Radfahren oder beim Hiking auf tollen Trails. Rexx ist ein Familienhund durch und durch. Er ist nicht in der Lage zu beschützen, dafür ist er treu, friedfertig, hört aufs Wort. Und manchmal ist er auch einfach nur zum Lachen: Hört er eine Sirene, dann heult er wie ein Wolf – herrlich.


John und Leanne haben ein Apartment mit kleinem Garten gekauft. Hier in North Vancouver, einer teuren Gegend, haben beide dafür umgerechnet ca. eine halbe Million Euro bezahlt. Mir kommt es vor wie ein komplettes Haus, aber – was kaum auffällt - sie vermieten noch eine Wohnung Parterre – das sei durchaus üblich. Im kleinen Garten hinter dem Haus züchtet John Tomaten und Salat. Apropros Essen: Hiervor war ich im Voraus etwas skeptisch. Aber ich habe wirklich Glück. Es gibt in der Regel kein Junk Food, sondern qualitativ gutes, von John zubereitetes Essen.

Ich bewohne ein Zimmer im Obergeschoss (es gibt das nur ein Zimmer), in dem ich mich wirklich wohl fühle. Diese Woche habe ich allerdings Platz für einen japanischen Schüler gemacht, der eine Woche hier bleibt, um eine (andere) Sprachschule zu besuchen. Es ist durchaus üblich, dass insbesondere Asiaten hier für lediglich eine Woche, zum Teil sogar nur für ein Wochenende kommen. Dazu schreibe ich lieber nichts weiter… Na ja, jedenfalls schlafe ich jetzt für sechs Nächte auf einer Luftmatratze im Eingangsbereich, man könnte es auch Wintergarten nennen. Ich wusste, dass jemand kommen wird und wollte mich hier auf die Suche nach einer neuen Familie machen. Aber Leanne bot mir an hierzubleiben und danach einfach wieder das „alte“ Zimmer zu beziehen. Da sage ich doch nicht nein, schließlich fühle ich mich hier wohl. 

John und Leanne sind Teilhaber eines Radgeschäfts in Lynn Valley und wie viele Vancouverianer viel und gern in der Natur. Sie reisen gern, oft mit ihren Fahrrädern im Gepäck. Im Umland kennen sie sich bestens aus und geben mir viele Tipps für tolle Trails und andere Locations. Also ich muss sagen: Hier lässt es sich aushalten.



Englisch lernen...

So, warum ich (auch) hier bin: um Englisch zu lernen. Meine Schulzeit ist jetzt 9 Jahre her und seitdem kam ich eigentlich nicht so richtig dazu mein Englisch anzuwenden. Mich ärgert das, denn ich weiß, es ist mein eigenes Versäumnis, aber irgendwie bestand aktuell auch nicht so der Bedarf besser Englisch zu sprechen. Jetzt ist es einfach der Wunsch, neben meiner Muttersprache, noch eine weitere Sprache halbwegs brauchbar anzuwenden. Darum bin ich hier…

Der erste Schultag, der eigentlich noch kein richtiger war. Eine Menschenmenge junger Erwachsener war pünktlich um acht gekommen, um dreierlei Tests (Sprechen, Schreiben, Grammatik) als Verfahren zur Einstufung für den am kommenden Tag beginnenden Unterricht zu durchlaufen. Die am häufigsten anzutreffenden SchülerInnen kommen aus Japan, Korea, Brasilien, Kolumbien und Mexiko. Deutsche sind recht wenige hier – das ist mir ganz recht. Die Eröffnungsveranstaltung erinnerte mich ein wenig an einen Kindergarten – okay, vielleicht sind komische Spiele als Überbrückung von Wartezeiten einfach nicht mein Ding… Eine extra für soziale Aktivitäten aufgestelltes Team stellte ILAC (International Language Academy of Canada) vor und bot gleichzeitig diverse Unternehmungen an. Danach wurden wir im Rahmen eines kleinen Stadtrundgangs (die Schule befindet sich in Downtown) mit den vier Räumlichkeiten vertraut gemacht. 

Am nächsten Morgen erfuhren wir unsere Klasse, kauften unser Lehrbuch (eine Schande bei den hohen Unterrichtskosten) und versammelten uns im Klassenraum. Dieser ist Reih an Glied mit dem nächsten, drei Reihen mit je sechs Personen passen gerade so rein, sodass ein Gang von ca. 1,5m inkl. Tafel bleibt. Offenbar ist die Lage zu exklusiv, um großzügigere Unterbringung zu gewährleisten… Mit 18 Personen ist der Kurs auch voll. Unserem Lehrer, Drew, gelingt es trotzdem gut, uns alle einzubeziehen und eine angenehme Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Nahezu alle Aufgaben werden in Form von Partner- und Gruppenarbeiten gelöst. Dabei wird Wert auf einen Mix aus Übungen zum Sprechen, Hören, Lesen, Schreiben und Grammatik gelegt. Täglich gibt es Hausaufgaben. Der Unterricht geht von 8:45 Uhr bis 14 Uhr, wobei dienstags und donnerstags von 12:30 bis 14 Uhr Wahlkurse stattfinden: Bei mir ist es Hören und Sprechen. Der Unterricht macht in der Regel viel Spaß. Die multikulturelle Vielfalt sorgt immer wieder für Gesprächsstoff. 
 


Samstag, 13. September 2014

Leben in (North) Vancouver

Das muss doch ein gutes Zeichen sein. Ich hatte bisher weder Lust noch Zeit zum Blog schreiben. Dann scheint Vancouver aufregend zu sein?! Ist es. Die erste Woche verging schneller als ich mich an jede einzelne Aktivität erinnern kann…


Wetter: 1+++! Kein einziger Tag mit langer Hose sprechen für sich und sind durchaus nicht selbstverständlich für diese Jahreszeit. Generell ist das Wetter hier in etwa vergleichbar mit dem in Deutschland, wobei es in North Vancouver (nicht zu verwechseln mit Vancouver:  gehört Beides zur Region Metro Vancouver, sind aber zwei verschiedene Städte) aufgrund des Küstengebirges häufiger regnet. In Kenntnis dessen verbringe ich jetzt noch viel Zeit draußen, um mit meinem Rad (dass ich ein neues habe, ist ja mittlerweile bekannt) die Region zu erkunden. Die Bedingungen dafür sind gut. Die Regierung tut viel, um für RadfahrerInnen attraktiv zu sein: Es gibt viele Fahrradwege, Fahrradstraßen, kostenlose Fahrradmitnahme in Bus & Bahn. So habe ich das Glück nun jeden Tag die 7 km zur Sprachschule sicher mit dem Rad zu fahren. Und danach und am Wochenende standen bisher Fahrten in das Umland an. So habe ich schon recht viel von (North) Vancouver sehen können. 
Vancouver selbst ist sehr vielseitig. Neben - für mich riesig erscheinenden  -Bürogebäuden in Downtown, gibt es gemütliche Straßen z.B. in Gastown (Altstadt), viele Parks, die drittgrößte Chinatown Nordamerikas, einige Sandstrände, zahlreiche Shoppingmalls (igitt!), entlang der Küste aber auch viel Industrie. 
Sport nimmt hier insgesamt einen hohen Stellenwert ein. Neben Hockey (Vancouver Canucks) und Football (B.C. Lions), spielen Fußball (Vancouver Whitecaps FC) und natürlich alle möglichen Outdoor-Sportarten eine wichtige Rolle. Am Wochenende finden hier zahlreiche Sportveranstaltungen von größerem Ausmaß statt. Nahezu wöchentlich werden Kriterienrennen in den verschiedenen Teilen von Metro Vancouver ausgetragen, hinzu kommt eine Rennserie in Britisch Columbia und zahlreiche Einzelrennen.

Schnee liegt in Vancouver selbst eigentlich nie. Es schneit hin und wieder ein wenig, aber davon bleibt nichts liegen. Anders sieht es aus, wenn man nur eine halbe Stunde nach Norden z.B. auf den Grouse Mountain fährt. Der Berg ist mehr als 1.200m hoch und lädt im Winter durchaus zum Skifahren und Snowboarden ein. Fährt man noch etwas weiter gen Norden in das Küstengebirge hinein, eröffnen sich hier noch mehr Möglichkeiten. Im Sommer ist beispielsweise Kanu fahren ein beliebter Sport, den man an verschiedenen Punkten der Stadt super ausüben kann (z.B. in Deep Cove an der Ostküste des Fjords Das heißt, egal zu welcher Jahreszeit man sportlich aktiv sein möchte, Vancouver bietet immerzu und für jeden Geschmack das Passende. 

Das Wochenende verbringen die meisten Kanadier draußen. Genau wir wir. Deshalb kann ich jetzt erst mal nicht weiter schreiben. Leanne,meine Gastmama, und ich gehen einen beliebten Trail am Deep Cove. Mehr Text + Bilder folgen...