Ich musste und wollte sehr früh aufstehen (4:40 Uhr), um 6:
30 Uhr den Startpunkt meines Bus-Shuttles nach
Whistler, dem Austragungsort der
alpinen Skiwettbewerbe während der Olympischen und Paraolympischen Spiele 2010,
zu erreichen. Der Bus war erwartungsgemäß nahezu leer. Die Fahrt entlang der
Küste mit Blick auf Vancouver Island und den vorgelagerten Inselchen, die zum
Teil in den Wolken hingen, dauerte exakt 2 Stunden. Im Tourismusbüro
präzisierte ich meinen Tagesplan und machte mich auf den Weg durch das noch
schlafende Whistler Village zum Lost Lake. Dieser See ist umgeben von
zahlreichen Trails verschiedenster Kategorien – ein Eldorado für Läufer, wie
ich finde. Die Luft war noch kühl und feucht und ließ das Grün der Wälder
wundervoll frisch und saftig wirken. Auch einige Radfahrer waren unterwegs.
Beeindruckt hat mich ein Duo, vermutlich Vater und Sohn, wobei Ersterer die 80
Jahre locker überschritten hatte, aber auf einem flotten Fully saß und
nur durch sein in klassischer Alte-Menschen-Farbe
(beige) gehaltenen Dress und das verhaltene Anschieben am Anstieg optisch zu
erkennen war…
Auf dem Weg zur ziemlich preisintensiven Seilbahn hinauf zum
Whistler Mountain lief ich an einem Bikepark vorbei. Wahnsinn, wie hier Knirpse
angstfrei und zum Teil bestens ausgerüstet den Parkour befahren. Am Ziel
angekommen war ich begeistert von den Massen an Downhill-Fahrern, die im Sommer
die Skipiste nutzen. Ich stellte mich an die laaange Schlange an, um ganz vorn
gefragt zu werden, was ich denn hier mache? Logisch, ich will hinauf. Dieser
Lift ist nur für Biker. Okay, hatte mich schon gewundert, dass hier weit und
breit kein Mensch per Pedes wartete. Also den Lift 100 m weiter nutzen. Dieser
führte mich auf den Whistler Mountain (knapp 1950/2000 m). Im Vorfeld hatte ich mir eine mögliche Tour
ausgedacht, unklar, ob diese machbar zu sein wird. Es ging zunächst auf breitem
Schotterweg relativ steil hinauf bis zu einem Punkt, an dem die asiatischen
Touristen umkehrten. Ich folgte dem Weg weiter hinauf auf ca. 1250 m, um von da
aus hinabzusteigen und den Kamm zu überschreiten. Der sich eröffnende Trail war
somit das schönste, was ich in der Natur bislang erfahren durfte. Allein
inmitten einer atemberaubenden Natur, Sonnenschein, abwechslungsreiche Trails,
tolle Ausblicke, endlos erscheinende Nadelwälder und schneebedeckte Berggipfel
im Horizont. Und plötzlich: die Angst einem Bären zu begegnen. Ich wusste, es
gibt (nur) noch um die 50 Stück hier, aber in all den schönen Gedanken
schweifend, keine Menschen sehend, kam doch dieser Blitzgedanke von Angst. Ich
traf auf keinen Bären, sondern auf ein Pärchen in Sichtweite... Einige (harmlose)
Tierchen zeigten sich dann während des Auf und Ab doch: Murmeltiere, murmeltierähnliche,
aber schwanzlose Tiere und Streifenhörnchen. Als hätte nicht alles perfekt sein
können, rutschte ich dann, nachdem ich einem pausierenden Pärchen „Hi“ zurief
aus und knickte um. Ich setzte mich zu Ihnen und nachdem wir feststellten, dass
wir Deutsche waren, erzählte mir die Frau, dass sie an derselben Stelle
gestürzt sei. Super. Wenigen Minuten später stapfte ich weiter, verhalten,
vorsichtig. Zwei wunderbar klare Teiche kreuzten meinen Weg und als ich nach
30-45 Minuten die Gondel erreichte, konnte ich aufgrund des angeschwollenen
Knöchelns kam mehr gehen. Shit happens! Zurück in Whistler Village – das Dorf
hatte sich mittlerweile mit Menschenschaaren gefüllt – hatte ich keine Zeit und
(schmerzbedingt) auch keinen Elan mehr, das Village genauer in Augenschein zu
nehmen. Ich humpelte zum Bus, dessen Fahrer mich dann glücklicherweise nur 200
m vom Haus entfernt aussteigen ließ. John wartete mit einer ordentlichen Portion
Pesto-Penne, Hähnchenbrustfilet und gebratenem Gemüse auf. Danke. Den restlichen
Abend verbrachte ich mit hochgelegtem Bein, Eispacks beladen, mit dem Ansehen
meiner vom Tag geschossenen Fotos.
Ich kann Whistler uneingeschränkt all jenen empfehlen, die
Spaß am Wandern und Biken haben. Whistler selbst ist sich dieser Faszination
offenbar bewusst, denn ansonsten würde das ohnehin nicht gerade günstige Starbucks
hier nicht 13 % Aufschlag für einen Frappuccino verlangen…