Donnerstag, 30. Oktober 2014

Coundown...Die letzten Tage in Kanada

Schon eine ganze Weile gab es von mir nichts mehr zu hören. Warum? Weniger Zeit. Und aufgrund dessen, auch mehr Lust diese wenige Zeit abseits des Notebooks zu verbringen… Nun aber, am vorletzten Abend möchte ich mich noch mal zu Wort melden, bevor ich am Samstag die Heimreise antrete. Es gab gerade typisch deutsches Essen: Kasseler (was keines war), Sauerkaut (was welches war) und Kartoffelpüree. Ich habe gekocht. Es hat allen geschmeckt – puh! Und nun, voll gestopft bei scheinbar unaufhörlichem Regen und ohne Internetverbindung ist sie da, die Lust zu schreiben. Also los geht´s!

Rasend schnell vergingen die letzten Wochen und Tage. Ich habe in dieser Zeit noch so Einiges mitnehmen und erfahren können. Positiv hervorzuheben sind: 

Weaver Creek Spawning Channel:
Einen tollen Tagesausflug unternahm ich mit Freunden aus der Schule. Wir mieteten uns ein Auto (billiger als in D., ca. 22 € für einen Tag, Sprit ist ohnehin günstiger) und fuhren in das Landesinnere zu einem Ort, der nur im Oktober Anziehungspunkt für Touristen ist. Denn dann kommen die Lachse zum Laichen zu einem seit 60 Jahren in Nutzung befindenden Kanal. Dieser entstand als Reaktion auf eine schwindende Population an Lachsen, unter anderem aufgrund  von Überschwemmungen, welche die Laichplätze zerstörten. Der Kanal ermöglicht den Lachsen (Sokeye, Chum, Pink) einen geschützten Raum zum Ablegen ihrer Eier. Inmitten der zu 90 Prozent anwesenden asiatisch aussehenden Touristenscharr beobachteten wir die Lachse, die Lebenden sowie die Toten. Denn, so will es Mutter Natur, nach dem Laichen haben die Lachse ihre Aufgabe getan. 

Lions Gate Bridge

Das Aquarium in Vancouver: 
Wie geplant habe ich mir die Indoor-Aktivitäten für das schlechtere Wetter, das uns jetzt sehr häufig in Form von Dauerregen empfängt, aufgehoben. Nachdem der gesamte Samstag im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fiel, plante ich für Sonntag vorsorglich den Besuch des Aquariums. Dass Petrus offenbar ein Einnsehen hatte oder meine schlechte Laune nicht ertragen konnte und aus diesem Grund den Wasserhahn ausschaltete - ich weiß es nicht. Jedenfalls kam es mir recht: Die Sonne schien! Also radelte ich einmal um den Stanley-Park, begegnete dabei gar einem Kojoten (ja wirklich!). Einerseits macht es Freude entlang der Seawall zu fahren, andererseits bietet der Park auch im Inneren zahlreiche Wege, einen hübschen Seen und Möglichkeiten zum Relaxen. 
Das Aquarium ist eine Non-Profit-Organisation, für die mehr als 1500 ehrenamtliche HelferInnnen im Bereich Umweltwelt- und Tierschutzes tätig sind. Wow! Natürlich leben insbesondere die größeren Tiere - es gibt u.a. zwei Delfine, zwei Belugas, Pinguine und Seeotter - unter den künstlichen Bedingungen nicht optimal. Aber bei allen den getakteten Programmpunkten (Shows, Vorträgen, Trainer Talk usw.) legen die Mitarbeiter Wert auf Aufklärung, Mitgliedergewinnung und Spendeneintreibung (aber nicht aufdringlich) Und insofern: Wenn es gelingt, mit deren Arbeit Bewusstsein zu schärfen und tausende Tiere zu retten, dann befürworte ich das Konzept. Die Einrichtung selbst war modern, die Tiere sehr gut in Szene gesetzt, die Programmpunkte informativ, witzig und zum Staunen. Also auch hier: Daumen hoch!

Flaschen sammeln - hier eine viel gesichtete Arbeit

 FlyOver Canada:
Kurz, teuer, super! Das ist die Kurzfassung meiner Erfahrung vom FlyOver Canada, einer Mischung aus Kino und Flugsimulation mit Effekten wie Wind und Wasser (5D). Mal abgesehen vom unspektakulären Leute-bei-Laune-halten-Programm, auf das ich jetzt nicht weiter eingehen möchte, dauert der eigentliche Spaß 8 Minuten. Man nimmt in einer Art Seilbahngondel Platz, das Geländer wird herabgelassen, man bewegt sich nach vorn und schwupps scheint man im 20m großen Bildschirm verschwunden. Fortan fliegt man im Helikopter von der Ost- zur Westküste, über Toronto, die Niagara-Fälle, Rocky Mountains bis nach Vancouver. Aus dieser Perspektive habe ich Kanada nur im TV gesehen, nur effektlos. Insofern: Daumen hoch! 

Eishockey:
Noch nie zuvor war ich bei einem Eishockey-Spiel. Auch prinzipiell muss ich zugeben mich für diese Sportart wenig begeistert zu haben. Das hat sich geändert! Ich war mit ein paar Freunden zum Eishockeyspiel der Heimmannschaft (Vancouver Giants) gegen Kamloops. Erstere ist nicht die Top-Mannschaft Vancouvers, die in der NHL spielt (Karten kosten hier ab ca. 70 €), sondern die Nachwuchsmannschaft, also junge Männer 17,18, die den Sprung in die Spitze schaffen wollen. Dementsprechend motiviert und kampfbetont sollte das Spiel werden. Und das wurde es! Nachdem Michael Bublé sich kurz auf dem Eisfeld zeigte, begann ein schnelles, aufregendes Spiel mit positivem Ausgang für die Giants. Im Gegensatz zum Fußball sitzt man beim Eishockey nah dran (zudem saßen wir in Reihe 4), Stöße gegen die Wand lassen einen des Öfteren aufschrecken, Kämpfen ist erlaubt. Also ich muss sagen: Selber würde ich kein Eishockey spielen, aber ich kann gut verstehen, warum sehr, sehr viele Vancouveraner Eishockey-Fans sind.


 
Kommen wir zu den weniger guten Erfahrungen..

Mein Fahrrad wurde geklaut. Nein, nicht etwa in der Stadt, von der ich weiß, dass Diebe aktiv sind. Nein, aus dem Grundstück meiner Gastfamilie. Ich möchte dazu nichts weiter schreiben, sonst werde ich so sentimental…

Indian Reservations:
In Vancouver gibt es verschiedene Orte, an denen die Ureinwohner kostenlos leben können. Eines dieser Indian Reservations befindet sich nur max. 300m Luftline, auf der anderen Seite einer großen Straße, entfernt. Ich wusste nichts davon, bevor John sich mir auf die Suche nach meinem Rad machte. Es ist wirklich traurig durch dieses Gebiet zu fahren. Zum Teil befindet sich da sehr viel Müll, Hunde laufen frei rum, seltsame Gestalten. Den Menschen geht es offensichtlich nicht gut. Interessant war trotz allem, dass zum Teil gepflegte Häuser neben ungepflegten stehen. Warum ziehen die Menschen nicht fort? Viele Fragen häuften sich in meinem Kopf und ich werde mir Zeit nehmen, diese zu beantworten. John, Feuerwehrmann,  sagt er und die Polizei sind häufig in solchen Reservaten, die Kriminalität ist hoch. Wen wundert es! 

Zahnweh:
Oh ja, in der letzten Woche muss mich nicht noch eine entzündete Zahnwurzel so ärgern, dass ich den Zahnarzt aufsuchen muss… Schmerztabletten und Antibiotika zeigen Wirkung und nachdem ich gestern dachte, ich müsste wieder zum Doc, damit er eine Behandlung einleitet, glaube ich nun, dass ich es bis zu meiner Rückkehr gut aushalten werde. 

Ich freue mich auf Deutschland, auf Jena, meinen Schatz, Familie, Freunde, FAHRRÄDER, Abendessen nach 18 Uhr, Brot, Verkehrsregeln, die ich verstehe, eine reparierte Zahnwurzel, eine neue Mitbewohnerin, neue Herausforderungen…

Sieht doch gut aus...


Mittwoch, 15. Oktober 2014

SEATTLE - Der Tag, an dem ich zum ersten Mal in die Staaten fuhr...


Coole Flagge!

Wie üblich ging es sehr früh los. Leider fuhren vor 6 Uhr noch keine Busse nach Downtown Vancouver, sodass ich keine andere Wahl hatte mein Rad zu nehmen und darauf zu hoffen, dass es ca. 16 Stunden immer noch da sein würde. Mit einem Shuttle sollte es nach Seattle/Washington DC  gehen. Die Grenze war nach weniger als 45 Minuten erreicht und nun hieß es den Bus komplett leer zu machen und die ausgefüllten Papiere beim Zollposten abzugeben, einige Fragen zu beantworten, Fingerabdücke zu nehmen, für das Foto posieren, ein Touristen-Visa zu kaufen und das Gepäck zu durchleuchten. Wie oft im Leben hatte ich Glück und kam zum einzigen mir i freundlich erscheinenden amerikanischen Beamten. Der Schein täuschte nicht, er war es und hatte gar einen Hauch von Witz (Foto: Bitte lächeln!). Daumen hoch. Zwei Stunden nach Grenzübergang erreichten wir Seattle Downtown bei bestem Sonnenwetter. 

geliehen...
Mein Zeitbudget betrug etwa vier Stunden – also los, keine Zeit zu verlieren, um einen kleinen Eindruck von der Stadt zu gewinnen, die 1993 zumindest für mich nur durch den Film „Sleepless in Seattle“ (Schlaflos in Seattle) bekannt war.
Seattles Bevölkerung entspricht rein numerisch in etwa der Vancouvers (ca. 650.000) und auch das Stadtbild hat gewisse Ähnlichkeiten. Mein Weg führte mich zuerst in das Seattle Center, eine Parkanlage mit diversen Kust-, Unterhaltungs- und auch Sporteinrichtungen (z.B. ein auffälliges Pop-Museum, eine Sportarena,ein IMAX-Kino und mehrere Theater). Touristenhighlight ist jedoch das Wahrzeichen der Stadt, der Space Needle. Ich wollte spontan entscheiden, ob ich da hochfahre, wobei meine Entscheidung eigentlich schon im Vorfeld getroffen war. Die Höhe entspricht einem halben Berliner Fernsehturm, der Preis einem höheren und den Ausblick habe ich auf Fotos gesehen. Sorry für meine Pragmatik!

Pop-Museum (urspünglich als Jimmy Hendrix Museum gedacht)

Stattdessen spazierte ich durch den wunderbar laubgefärbten Park in Richtung Westküste zum Olympic Sculpture Park, in dem viele Jogger ihre Mittagspause aktiv nutzen. Entlang der Küste lief ich weiter gen Süden, vorbei am (wie ich finde) sehr schicken Aquarium, zum Great Wheel, um mein eigentliches Ziel, den von John empfohlenen Pike Place Market zu besuchen.



Big Wheel mit Aquarium und amerik. Flagge im Hintergrund

Dieser seit 1907 existierende, überdachte Markt ist berühmt für frische Kost, vor allem Fisch, Obst und Gemüse, aber auch eine große Auswahl an Blumen und diverse Künstler-Stände haben sich niedergelassen. Seattle ist keine ebene Stadt – ganz im Gegenteil.  Und so erstreckte sich der Markt über mehrere, gestaffelte Etagen hinauf zur nächsten Straße. Im Inneren warteten viele liebevoll dekorierte Läden auf.


Für viele ein Highlight ist die erste, im Jahr 1912 eröffnete Starbucks-Filiale. Angesichts der Absicht noch viel zu sehen, zog ich es vor meinen Frappucchino eine Straße weiter, dafür ohne Anstehen zu kaufen. Danach machte ich mich auch schon auf dem Weg zum Shuttle, der mich nach Tulalip, Casino-Standort und Outlet Center, bringen sollte. Am Treffpunkt unterhielt ich mich eine halbe Stunde lang mit einem pensionierten Boing-Bauer (die werden hier gleich nebenan gebaut), der im Ruhestand noch etwas arbeitet (wie sehr viele Amerikaner), ansonsten sehr aktiv ist und vor einiger Zeit eine Austauschschülerin aus Deutschland hatte. Ich mag solche unerwarteten Small Talks!
Pünktlich in Tulalip angekommen, arbeitete ich die mich ansprechenden Läden ab. Mein Einkauf blieb bescheiden, ganz im Gegensatz zu vielen anderen, die mit gut gefüllten Koffern zurück  nach Vancouver reisten. Ich fragte mich, wie das möglich sei, denn es gibt beschränkte Zollfreigrenzen, aber gut. Alle kamen durch, wahrscheinlich ist das den Beamten nicht so wichtig. Ich hatte wiederum viel Glück an den einzig mir freundlich erscheinenden Beamten zu geraten, der sich mit „Danke und auf Wiedersehen“ verabschiedete. Mit großer Verspätung kam der Bus in strömenden Regen in Vancouver an, mein Rad war noch da (puh) und so machte ich mich – zugegeben ich nahm den Bus, weil es so nass und kalt war – auf den Weg zu Leanne und John. Also alles in allem: ein gelungener Tag!!

Dienstag, 14. Oktober 2014

Metro Vancouver (zumindest ein Teil davon)


Rund um die Stadt Vancouver befinden sich 21 Gemeinden, die zwar eigenständig sind, jedoch gewisse Leistungen der öffentlichen Verwaltung an den Regionaldistrikt (Metro Vancouver) übertragen. Mit dem Fahrrad machte ich mich vergangenes Wochenende auf eine größere Tour, um einige der Gemeinden zu erkunden.


Mein Tag begann mal wieder sehr früh. Spontan begab ich mich gegen fünf Uhr am Morgen nach dem Kaffee auf dem Weg, um zunächst ein paar Aufnahmen in der Dämmerung zu machen. Dabei musste ich feststellen, dass mein Mini-Stativ dafür nicht wirklich geeignet ist… Es war ein tolles Gefühl im Morgengrauen zunächst an der Küste entlang und später durch die leere Stadt zu fahren. In Berlin habe ich vor zwei Jahren Ähnliches gemacht und ich kann das nur jedem empfehlen. Wo am Tage stets Hochbetrieb herrscht, hat die Großstadt am Morgen einen ganz eigenen Charme…. 


Nach Sonnenaufgang begab ich mich zunächst mal in den Skytrain. Für mich war die Fahrt (bis auf den Ankunftstag) Premiere. In der Regel zähle ich ja auf zwei Räder als Antriebsmittel. Ich fuhr ein Stückchen nach Süden, um zunächst den Queen Elizabeth Park anzusehen. Hier traf ich inmitten der gepflegten Gartenanlage, die im Sonnenschein sicher Attraktivitätspunkte hätte sammeln können, vornehmlich asiatisch stämmige Menschen. Viele übten Tai Chi o.ä. aus. Schon das Zuschauen empfand ich als friedvoll. 


Weiter ging es mit dem Rad gen Süden nach Richmond. Hier haben sich viele gut situierte Menschen angesiedelt, ich vermute, aus dem asiatischen Raum, denn die Läden und Restaurants sind in der Mehrzahl in für mich nicht identifizierbaren chinesischen Schriftzeichen. Schicke, große Häuser fand ich hier vor und auf dem Rückweg entlang der Küste stieß ich auf das Richmond Olympic Oval, das Eisstadion, in dem 2010 die olympischen Eisschnelllaufwettbewerbe ausgetragen wurden. Meine Tour führte mich nun weiter gen Westen, auf den etwas 15 km, sah ich: so gut wie nichts. Okay, Radfahrer. Diese scheinen die Strecke auf dem Westminster Highway offenbar gern als Trainingsstrecke zu nutzen. Es war eine relativ öde Gegend. Meine ursprüngliche Route nach Delta und Surrey musste ich ad acta legen, da ich keine Möglichkeit fand den Fraser River zu überqueren. Es gibt eine, aber das war mir nicht bewusst. Nun ja, ich fuhr durch Westminster nach Burnaby, einer großen Gemeinde, in der viele meiner Schulfreunde wohnen. Die Gegend gefällt mir. Okay, flach ist anders, aber ihr wisst ja: Ich mag Steigungen! Dennoch, die Gemeinde ist relativ ruhig, aber nicht langweilig und es gibt mehrere Parks. In einem schaute ich zum ersten Mal bei einem Lacrosse-Spiel zu und war beeindruckt, wie sicher die Kids das Spiel beherrschten. Danach versuchte ich verzweifelt an den  Burnaby Lake zu gelangen, aber auch hier versperrte ein Highway den Weg. In der Flexibilität liegt die Stärke! Also fuhr ich an einen kleineren, aber wirklich idyllischen See, an dem gerade eine Hochzeit vollzogen wurde: den Deer Lake. 


Mein letztes Ziel sollte der Burnaby… Park sein. Ich muss zugeben, an dem Punkt schon echt ko gewesen zu sein. Also machte ich wirklich nur einen ganz kurzen Abstecher in den Park, um dann den Weg nach Hause mit dem Zug anzutreten. Den fand ich leider nicht. Ein Mann beschrieb mir den Weg (mal wieder wurde ich angesprochen), diesem merkte ich mir aber nicht. Ein anderer Mann sagte, hier würde kein Zug halten. Hää? Na gut. Ich fuhr dann mit dem Bus nach Downtown, hatte eine sehr nette Unterhaltung mit einer Studentin und nahm zum ersten Mal den Seabus, eine Fähre, die mich in gut 10-15 Minuten nach North Vancouver bringt. Touristen sind hier eindeutig von Einheimischen zu unterscheiden. Denn während die einen gelangweilt Zeitung lesen oder auf ihr Handy starren, versammeln sich andere an den Fenstern um Fotos zu schießen. Auch ich, logisch! 


Sonntag, 12. Oktober 2014

Neues gibts am 15.10.

Zur Überbrückung der Wartezeit wird es künftig eine Anekdote im weiteren Sinne geben...


Meine erste Woche im Praktikum

Meine neue Herausforderung heißt: Praktikum. Ich arbeite mit und für Footprints Recruiting, einer Agentur, die für ausländische (Hoch-)Schulen englischsprachige LehrerInnen rekrutiert. Den nächsten Monat werde ich nun wochentags an einem Ort verbringen, der meinem Wunscharbeitsplatz sehr, sehr nahe kommt. Zunächst die An-/Abfahrt: Je 9 Kilometer hin und zurück sind ideal, um die Form nicht ganz zu verlieren. Von großem Vorteil: Es gibt die Möglichkeit zu duschen, was angesichts der eintretenden Regenschauer wirklich praktisch ist. Das Viertel, Gastown, ist quasi die Altstadt. Hier geht es gemütlich(er) zu, an netten Kneipen, Cafes und Souvenirsshops mangelt es hier nicht. Das Büro liegt direkt am Meer und vom Multifunktionszimmer (zwei Arbeitsplätze, Küche und Ess-/Versammlungsraum hat man einen wunderbaren Blick auf das Meer und North Vancouver. Die Küche ist nicht nur eine Pseudo-Küche, wie an einigen anderen Orten, sondern diese wird auch tatsächlich genutzt. Die Mittagspause ist eine Stunde – also genug Zeit, um zu kochen, aber auch, um eine Runde Tischsoccer zu spielen. Aktuell arbeiten hier 9 Personen+ 2 Praktikantinnen. Ich habe einen angenehmen Arbeitsplatz innerhalb eines Büros, das ich mir mit 7 Frauen und einem Mann teile. Zunächst ist das etwas befremdlich, aber man gewöhnt sich schnell daran. Der Vorteil für mich ist, dass ich anderen beim Sprechen zuhören und daher lernen kann, der Nachteil, dass ich mich kontrolliert fühle. Gerade bei meinen ersten Anrufen war ich super nervös… Also bin ich schon bei meinen Aufgaben. Ich bin im Department, das sich mit dem asiatischen Raum beschäftigt. Meine Aufgabe ist es zunächst Bewerbungen für ein Programm in Korea nach bestimmten Voraussetzungen zu screenen und – je nach Ergebnis – das weitere Vorgehen einzuleiten. Dann versuche ich die BewerberInnen telefonisch zu erreichen und mit ihnen ein Telefon-Interview zu vereinbaren. Das Interview selbst führt eine Kollegin durch. Meine erste größere Aufgabe reiht sich in das Projekt Client Development ein. Online überprüfe ich hunderte Einrichtungen (Hochschulen, High Schools, Kindergarten) aus aller Welt und versuche Kontaktdaten aufzunehmen, um potenziell neue Auftraggeber ausfindig zu machen und in einem weiteren Schritt zu gewinnen. Daneben wird hart an einer Verbesserung der Google-Performance gearbeitet, um leichter für Interessierte verfügbar zu sein. Dazu wurde die Website schon umfangreichen Veränderungen unterzogen. Meine Aufgabe besteht darin, insbesondere kanadische/US amerikanische Hochschulen anzuschreiben und sie davon zu überzeugen einen Link auf ihre Website zu setzen. Mal sehen, ob das gelingt. Dafür, dass ich bisher nicht auf die Idee gekommen wäre, im Bereich Recruiting tätig zu sein, gefällt es mir ziemlich gut, was vermutlich auch an der netten Arbeitsatmosphäre liegt.


Samstag, 4. Oktober 2014

Grouse Mountain

Leider fiel mein für Freitag bis Sonntag geplanter Ausflug nach Vancouver Island krankheitsbedingt aus. Matthew bekam Fieber, sodass Leanne und John Gelegenheit, um von einem meiner Lieblingsorte zu berichten: Grouse Mountain. Der 1231m hohe Berg im Gebirge der North Shore Mountains ist nur einen Katzensprung (15 Min. Busfahrt) von meinem Zuhause in North Vancouver entfernt. Er ist ein beliebtes Ausflugsziel sowohl im Sommer als auch im Winter. Der Skyride (Seilbahn) ist die bequeme, jedoch sehr teure Variante (ca. 30 € für Auf- und Abfahrt) den Gipfel zu erklimmen, berühmt, berüchtigt und dazu billiger ist jedoch der Aufstieg zu Fuß auf dem sogenannten Grouse Grind. Dieser 2,9 km lange Trail führt über Stock & Stein (2830 Stufen) und überwindet eine Höhendifferenz von 853 m – das entspricht einer durchschnittlichen Steigung von fast 30 %. Nicht ohne Grund befindet sich am Eingang des Trails ein großer Warnhinweis: Immer wieder kommt es zu Unfällen/Notfällen. Dennoch stellen sich jedes Jahr mehr als 100.000 Menschen dieser Herausforderung. Eine automatische Zeitmessung ermöglicht den Vergleich zu anderen. Die durchschnittliche Zeit beträgt 90 Minuten, die schnellste weniger als 30 Minuten. Noch interessanter finde ich die Möglichkeit, durch Addition mehrerer Begehungen (einige KanadierInnen nutzen den Trail als Trainingseinheit), z.B. den Mount Everest zu besteigen. Ein für alle sichtbarer Bildschirm am Gipfel listet dies auf. Cool. Ich brauchte mit Rucksack und zügigen Ganges 51 Minuten. Oben angekommen genießt man einen herrlichen Ausblick gen Süden. Folgt man einem Wanderweg stößt man unmittelbar auf ein Bärengehege, in dem zwei Bären leben. Nur wenige Meter weiter finden in regelmäßigen Abständen Vogelvorführungen statt, auch ich nahm teil. Zudem besteht die Möglichkeit die Gipfel und Canyons mit den Mountain Ziplines zu passieren. Wobei das eher untertrieben ist. Mit bis zu 80 km/h jagt man in einer Seilbahnähnlichen Konstruktion zu drei bis fünf installierten Punkten. Sicher ein großer Spaß, aber eben auch recht teuer. Ich verzichtete und genoss währenddessen die Spätsommersonne in gemütlicherem Tempo… Bergab nahm auch ich gezwungenermaßen den Skyride (bergab 7 €, das ist okay), der denn der Grouse Grind ist zurecht eine Einbahnstraße. Und so konnte ich die tolle Aussicht bergab noch etwas bestaunen…